Züchterbesuch in Niedersachsen

Ein Mal dem Virus Kunstflugtauben verfallen, immer verfallen.

Sagt jemand es gibt bessere Tauben als Kunstflugtauben, der sollte mal zu Spitzenleuten in Sachen Kunstflugtauben schauen-lauschen-hören und riechen gehen.

Jürgen Siebert, Hermann Wolf, Michael Siebert, Andreas Heinzmann und Roland Schäfer

Die Rassen, Klassen  und Farbvielfalt in dieser Szene unbeschreiblich Facettenreich………..

Größe, Farbe, Aussehen, Verhalten im Schlag gegenüber dem Züchter und nicht zuletzt in der Luft.

Dasselbe gilt für die Schlagverhältnisse (Größe, Einteilung, Materialbeschaffenheit, Lichtverhältnisse und das allerwichtigste, die Lüftung) der jeweiligen Züchter.                     

Man sagt Platz,  ist in der kleinsten Hütte.


Schaut man nie über den Tellerrand seines Tauben-Reiches hinaus, wird man bestimmt irgendwann der Tauben überdrüssig. So sollte es aber  bei uns Kunstflugtaubenzüchter nie, nicht, niemals sein.

Gibt es etwas Schöneres, als mit Freunden, Clubkameraden, egal ob sie die gleiche Rasse fliegen oder nicht, einen Züchterbesuch in fremden Gefilden zu unternehmen. Denkt man von sich ich bin mit meinen Tauben zufrieden, die würden bei einer Flugbewertung gut abschneiden, kommt doch oft die Ernüchterung, sieht man bei anderen Züchtern deren Lieblinge.


So ging es auch uns am Sonntag den 27.03.11


Da unser Hauptverein der DFC dieses Jahr seine Jahreshaupt- versammlung in Dinslaken abhielt, überlegte man vorher welche Züchter  wohnen denn in der Nähe?


Veranstalter der DFC-JHV war in 2011 die recht junge neu organsierte, formatierte Gruppe Ruhr.


Der Gruppe Ruhr möchten wir ein großes Lob aussprechen. 

 

Gerade die mühevolle Arbeit im Vorfeld so einer Veranstaltung ist für viele Besucher Ja Unsichtbar. Sichtbar war dann aber am Abend umso mehr eine sehr, sehr gelungene Darbietung einer jungen Jazzband. Die Jazzband, alles Schüler 15 Stück eines Gymnasiums spielten vier Musikstücke, plus einer Zugabe darunter so bekannte Stücke wie Take Fife usw. wurden dargeboten, in allerbester Qualität.


Sonntags morgens nach leckerem Frühstück ging es dann nochmal 120 Km weiter nach Nordhorn.

Verschiedene Züchterbesuche die im Vorfeld ausgemacht, waren angesagt. Nordhorn liegt bereits im wunderschönen Land Niedersachsen.

Unsere kleine Truppe Roland Schäfer unser sehr zuverlässiger Fahrer, Andreas Heinzmann, Michael und Jürgen Siebert und ich Fredi Liebgott waren sehr gespannt was uns denn da alles erwarten würde?


Direkt in Nordhorn wohnen zwei Züchter, die Kunstflugtauben züchten und fliegen. Der erste Anlaufpunkt war Hermann Wolf. Herman Wolf züchtet Wammen, Kelebek, Syrische Segler und Mövchen bulgarischer Abstammung. Hermann Wolf kennen vielleicht schon einige aus dem Internet. Sein Internetauftritt: http://kunstflugtauben.wordpress.com/2010/12/20/hier-gehts-los-erste-seite/

Bitte taucht ein in die Welt von Herman Wolf, seine Home Page sehr zu empfehlen.             

Die Gedanken die Hermann hat und sie bereits in Form von Verbesserungen im täglichen Umgang bei seinen Schützlingen schon  umgesetzt hat, einfach klasse. Deshalb möchte ich euch sein Home Page  an Herz legen.

Aber was soll ich euch sagen, auch Hermann hat das größte Problem in unmittelbarer Nähe.

Auf einem Funkturm, ein Brutkasten für Wanderfalken. Man kann ihn sehen (den WF) fast ohne Fernglas, weitere Kommentare verkneife ich mir. Nach leckeren Kaffee flog uns Hermann seine Kelebek vor. 2 Stiche ca. a´ 15 Tauben.

 

Schmetterlingsflug vom feinsten. Gerade die unterschiedlichen Farben der Tauben und Figuren die gezeigt wurden, waren herrlich anzusehen. Außerdem hatte der Wettergott einsehen mit uns Baden Württembergischen Besuchern. Jeder Stich Kelebek durfte zweimal starten. Oft ist es so, dass die Tauben beim 2. Start sich oft noch besser entfalten, als beim ersten Start.


Da es schon zeitlich fortgeschritten, haben wir eine Einladung von Hermann Wolf und seiner Familie zum Mittagessen angenommen. Lecker Essen mit Liebe gekocht wurden wir vom feinsten verwöhnt. Hermann dir und deiner Familie, vielen, vielen Dank für dieses Geschmackserlebnis.  Nach der Mittagspause ging es dann einige Straßen weiter zu seinem türkischen Freund Özer.  

 

Özer fliegt wie soll es anders sein, Kelebek. Leider kann man auch von Sportfreund Özer aus, den Brutkasten sehen.  Den Brutkasten wie vor. Man sah den Tauben die Angst an. Sehr viele gute, teure Tauben hat Özer schon verloren durch den Krummschnabel. Deshalb lässt er seine Lieblinge die Kelebek, die teils vor vielen Jahren aus der Türkei Original eingeführt, nicht mehr so hoch aufsteigen. Selbst in Unterer Höhe konnte man aber das Potenzial seiner Kelebek erkennen. Axialdrehungen, schöne Spiralen, vieles konnten man bestaunen. Nach einigen Start`s und Austausch von Erfahrungen verabschiedeten wir uns, und steuerten den nächsten Züchter an.  

Gerade dieser  Austausch von Fütterung, Flug oder Haltungs-bedingungen, das ist das Salz in der Suppe.

Nicht jeder Züchter behält seine Erfahrungen für sich, zum Glück. Manchmal, nein sehr oft kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Gerade mein Lieblingsthema “Futter“ wer was füttert, interessiert mich sehr.   

Bei Sportfreund Özer schwört man auf sehr gutes Futter. Weizen und Gerste extra, gab es da keine zu sehen. Seine Tauben strotzten nur so vor Kraft. Auch einige Taubenküken im Nest konnte man schon bewundern. 


Einige Kilometer weiter wurden wir vom nächsten Züchter schon erwartet. Unser “Reiseleiter“  Hermann Wolf hatte an diesem Tag ganze Arbeit geleistet. Sein Organisationstalent war nicht zu übersehen. Bei Hermann merkte man, dass er im täglichen Leben auch ein gewissenhafter Mensch sein muss. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass Hermann Maurerpolier bei einer größeren Maurerfirma ist.

 

Bei seinem Freund Werner Blaak wurden wir herzlich Empfangen. Werner Blaak, von Beruf Maler ein langer Kerl wie man sich so einen norddeutschen eben so vorstellt. Denkt man an den Norden, denkt man, das sind bestimmt Menschen die kühl und mundfaul sind. Aber zum Glück weit gefehlt. Wir wurden von allen Züchtern und Freunden von Hermann Wolf auf ´s herzlichste Aufgenommen, und jede Frage die wir Südländer stellten, bestens beantwortet. 

 

Allein Werner Blaak`s  Umgebung die Landschaft ein Traum. Grüne saftige Weiden, die Zäune unter Starkstrom, herrliche Pferde, ein Auslauf schöner als der andere.  

                                    

Auch Werner`s Taubenschlag ein Traum. Ein langer, bestimmt 12 Meter langer herrlicher heller  Taubenschlag. Betritt man seinen Schlag, riecht man keine Tauben. Würde man diesen großen Raum betreten und die Augen wären verbunden, man würde nie auf die Idee kommen darin Tauben zu vermuten. Also eine gut durchdachte Lüftung.   

                            

Die Lüftung eines jeden Taubenschlages,  eigentlich das A und O.  


Nach ausgiebiger Begutachtung seiner Tauben, ging es ans Eingemachte. Zuerst ein größerer Schwarm Kelebek. Bei so einem großen Schwarm Tauben weis man nie so genau wo man hinschauen soll? Werner erzählte uns, dass  er seine Kelebek noch nicht so oft trainiert hat, in diesem Jahr.  Aus Zeit und Wettergründen fehlt es ihnen noch an Kondition. Dennoch legten sich seine  Kelebek für uns Besucher so richtig ins Zeug.


Danach für jeden Kunstflugtaubenzüchter eine Augenweide nach der anderen. Wammen bestimmt so an die 12 -15 Stiche kann Werner sein eigen nennen.                                                          

Jeder Taubenzüchter oder Taubenliebhaber oder diejenigen die es werden wollen, die zum allerersten Mal einen Stich  Wammen stürzen sehen…….. erleben dürfen, sind hin und weg. Stürzen Wammen im Sturzwinkel zw.  80-90 Grad aus Mittlerer Höhe  oder sogar aus Oberluft, nach Droppbeginn innerhalb 20 – 30 Sekunden durch bis runter zum Züchter, wird bestimmt manches Gramm Adrenalin ausgestoßen.

 

Beginnen die Wammen zu stürzen und brechen den Sturz ab, das wird nicht so gern gesehen, aber eine Bremsschleife unmittelbar kurz vor dem Boden ist erlaubt.


Je näher die Stürzer gen Boden, um so lauter der Ton. Dieses Rauschen begleitet von abgehendem Federstaub, ein Erlebnis allererste Sahne. So etwas vergisst man nicht so schnell, besser gesagt gar nicht. Trotz der Masse also ihr Gewicht,  steigen Wammen  recht schnell auf.


Dann dieser rasante Sturz, Kopf voran mit einer Geschwindigkeit, bestimmt mit so 150-200 Stunden-Kilometer, das kann keine andere Taubenrasse toppen. Gedroppt werden die Wammen mittels mechanischem Dropper, den er selbst gebaut hat. Man kann aber auch Schlaggenossen als Dropper einsetzen.  

 

An  dieser Kunstflugtaubenrasse den Wammen haben sich schon einige die Zähne ausgebissen. Da es bei Tauben keine Gebrauchsanleitungen gibt, sollte man sich an einen erfahrenen Züchter halten. Anfangs sind Wammen recht stur, ist der Bann aber gebrochen, doch recht liebenswerte Tauben.

 

Nur sehr wenigen Züchtern gelingt es Wammen sogar auf dem Flugkasten zu präsentieren. So richtig ins Zeug legen sich die Wammen, sind sie  in ihrer gewohnten Umgebung, in der sie aufgewachsen sind. Die Haltungsbedingungen bei Wammen sind recht unterschiedlich.

Im Ursprungsland der Türkei werden sie paarweise in Boxen gehalten.

Nachts werden da die Zellen verschlossen, meist sind  sie dann aber tagsüber im Freien. Gute Stürzer dürfen aber keine Jungen aufziehen. Von den besten Wammen werden die Eier umgelegt zu Tauben, die weniger wertvoll sind. Die Türken erzählen, Tauben die nicht so oft Junge ziehen haben eine längere Flug und Lebensdauer. Mit acht, neun und zehnjährigen Wammen wird da noch geflogen. Wie guter Wein, je älter je besser. Auf Leittauben wird da ganz besonders großen Wert gelegt.

 

Leittauben sind diejenigen Tauben, die bei Droppbeginn als erste Stürzen und die meist zwei Mitflieger animieren sofort mit zu stürzen. Gerade die Leittauben sind unbezahlbar. Um junge Wammen sehr gut einzufliegen/stürzen, sind gute Leittauben von unschätzbarem Wert.

Nach diesem Augen-und Ohrenschmaus bei Werner Blaak ging die Reise weiter.


Unser Reiseleiter führte uns einige Ortschaften weiter zu  den Freunden Ibrahim Yüksel und Suppi. Bei Ibrahim  konnten wir griechische Dunek im 3-er Stich bewundern. Danach Kelebek in allen Farben.


Gerade mal 10 Meter weiter hat Suppi seinen Bauwagen und einen Anbau für seine Wammen. Auch bei Suppi Wammen vom feinsten. Aufgewachsen ist Suppi in İskenderun. İskenderun liegt ganz grob gesagt zwischen Adana und Aleppo, nähe der syrischen Grenze. Da Suppi schon Rentner, sind Wammen sein ganzes Leben. Nach einigen herrlichen Stürzen seiner Wammen, ging die Reise weiter zu Suleyman Odzak.

 

Auch Suleyman gebürtiger Iskenderuner. Tauben im Blut, jedoch zuvor Aleppotauben in großen Schwärmen bis zu 70 Tiere auf einmal aufgelassen. Vor einigen Jahren aber doch züchterisch umorientiert, umgestellt auf Wammentauben. Da in seinem Umkreis in Deutschland niemand Aleppotauben hielt, entschied sich Suleyman für die Wammen. Ein geräumiger Garten-Pavillion hat er umgebaut für seine Tauben.


So ca. 20 Paare in Boxenhaltung. Als die ersten Wammen freigelassen, kamen wir auch da recht schnell ins Schwärmen.

Mein Interesse weckte eine blaue Tonne mit Taubenfutter im nebenstehenden Gartenhäuschen. Bestes Brieftaubenfutter konnte man da bestaunen. Für Insider, es war von BEYERS Wal Zoontjens Brieftaubenfutter. Keine Gerste, kein Weizen nichts. Nur dieses Futter wird im Hause Odzak den  Wammen gefüttert.

 

Trotz 14-tätigem Aufenthalt in der Türkei (Iskenderun) aus familiären Gründen, lies es sich Suleyman nicht nehmen, uns einige Stiche Wammen, vorzufliegen. Gegen manche Aussagen, droppte Suleyman seine Wammen aus fast 90 Grad. Wow…….. zum Abschluss unserer Taubenreise noch einmal so ein Highlight, vom aller Feinsten.

Suleyman erzählte uns, dass er am Morgen all seine Tauben schon geflogen hatte. Da wusste er noch nicht, dass er heute noch Besuch bekommen sollte. Es tat  seinen Wammen aber keinen Abbruch. Recht schnell merkte Suleyman, dass alles so funktioniert, wie er es haben will. Recht schneller Aufstieg, und auf Droppbeginn sofortiger Sturz. Auf dem Absatz kehrt  in rasantem Sturz vor unsere Füße.  Man merkte ihm seinen Stolz förmlich an, da seine Wammen uns und ihn als Züchter nicht enttäuschten.


Ein langer, sehr langer Tag ging zu Ende.


Da wir drei Badener………… Roland, Andreas und ich Fredi so ungefähr 580 Km noch vor uns hatten und Jürgen und Michael Siebert sage und schreibe 700 Km noch vor sich hatten, verabschiedeten wir uns alle gegenseitig ca. 19.00 Uhr voneinander.


Unsere einhellige Meinung, keine Minute dieses Tages  wollten wir aus diesem herrlichen Tag missen. Diese herzliche Aufnahme, geführt von unserem Reiseleiter Hermann Wolf, bleibt für uns alle ein unbeschreibliches Erlebnis. Hermann wir danken dir ganz besonders für dein großes Engagement.


Dönek, Kelebek und ganz besonders die Wammen, vielen Dank für die nachhaltigen Eindrücke.

Roland, Andreas, Michael, Jürgen und Fredi

Nachfolgende Bilder habe ich alle bei Hermann Wolf geschossen mit einer Nikon D3000

die anderen Bilder kommen noch

 

Nachfolgende Bilder bei Hermann Wolf`s  Freund

Özer

Nachfolgende Bilder habe ich bei Werner Blaak geschossen.

 

Nachfolgende Bilder sind bei

Ibrahim Yüksel

und Suppi geschossen worden 

 

Nachfolgende Bilder wurden bei Suleyman Odzak geschossen.