Bericht Güntac Demirel

Meine Eltern sind seit über 40 Jahren in Deutschland.

Mein Vater Alis arbeitete in dieser Zeit 34 Jahre lang bei dem Auto-Hersteller………. Firma Audi, in Neckarsulm. 

                     

Seit kurzer Zeit ist mein Vater nun Rentner, und genießt mit meiner Mutter zusammen, das Rentnerleben.

Ich selber Güntac Demirel bin am 21.7. 80 hier in Heilbronn geboren.                

Als ich damals 7 Jahre alt war, hielten wir unsere ersten Takla in Deutschland.


Meines Vaters Traum war es, hier in Deutschland seine türkischen Tauben zu fliegen und zu züchten. Tauben die er schon in seiner Jugend auf dem Dach meiner Großeltern in Istanbul hatte, wollte er hier züchten und zu fliegen.


Damals gab es nur eine Handvoll Züchter die Kunstflugtauben besaßen. Also damals hatte jeder Türke aus seinem Herkunftstort Tauben mitgebracht und hier untereinander getauscht. Ich kann mich noch an viele Situationen, schöne Stunden erinnern, wie wir Freunde von meinem Vater besuchten. Wir gingen von einem Dach zum anderen, um Tauben auszusuchen und fliegen zu sehen.

 

Wir waren auch auf vielen Taubenmärkten. Da hielten wir immer Ausschau nach gestohlenen Tauben, die von Jungen in einer Nacht zuvor, bei uns gestohlen wurden.

Unsere Tauben waren ja von sehr guten Züchtern. Da sie ein schönes Taschen bzw. Futtergeld einbrachten, verkaufte man davon auch mal welche…………..              

Für 5 Mark, zu damaligen Zeiten (DM) ein Freundschaftspreis, boten wir sehr gute Tauben zur Auswahl an.                  

z.B. Bursa Tümmler, Mühlakat…... eine gehämmerte Art, Cakal Roller, Kelebek, Adana-Wammen, OR oder verschiedenfarbige Taklas mit Vorderhaube und Sabuni die ganz helle Glasaugen hatten ( cam gözü ).


Was ich niemals vergessen werde, ist…………. als wir am Meer waren in Ayvalik. Wir sahen jeden Tag vom Hotel aus Taklas fliegen, die suuuuuper gespielt haben in der Luft. Leider haben wir den Standort des Schlages nicht gleich gefunden. Bis wir nach einigen Tagen erfahren haben, dass der Besitzer der Taklas, der Hotel-Besitzer (Barkeeper) war. Er war ein sehr strenger und fanatischer Züchter. Sein Personal kümmerte sich um alles, er saß nur gelegentlich da und genoss es.

Für mich war dann das herrlich blaue Meer nicht mehr so wichtig. Mein Interesse galt nur noch den Tauben. Ich studierte die Tauben genau um sie besser kennen zu lernen. Mit Augen und Ohren nahm ich alles auf, was mit der Versorgung und dem Züchten der Tauben zusammenhing.

Vor der Abfahrt haben wir Gastgeschenke in Form von Taklas mitbekommen. Und wie jedes Jahr, mussten Mamas Strumpfhosen immer an der Grenze herhalten. Die Tauben wurden in den Strümpfen im Kofferraum über die Grenze gebracht. Gleich nach der Grenze hielten wir an und haben sie in geräumige Kartons umgelagert und mit Wasser und Futter versorgt.

So was geht heute ja nicht mehr!


Ich denke so 1988-89 sind wir dann in den DFC eingetreten. Von Anfang an, waren wir immer mit vorne dabei und sehr erfolgreich. Wir flogen am Heimatschlag aber auch vom Flugkasten aus.


Mit 13 Jahren kam ich dann zu meinen ersten Adanas (Wammen)

Adanas von Yusuf aus Heidelberg.


Der ein Geheimtipp und Vorreiter war, was die Adana-Zucht, das fliegen und anschließende Stürzen angeht.
Ich kenn bis heute niemanden, der täglich über 4 Stunden lang seine Tauben versorgt. Jedes Paar wird bei Yusuf in seiner Box gefüttert, gehegt, gepflegt und so sauber alles perfektioniert hat, bis ins kleinste Detail, wie bei diesem Mann.  

Nur als kleines Beispiel, er hatte im Herbst und Winter seine Jungen Adanas gezogen. Im Januar als wir anderen Züchter unsere Tauben gepaart hatten, hat er mit seinen Jungen, das Training schon begonnen……….                          

Also war er uns allen immer einen Schritt voraus.


Einfach unglaublich und ein Beweis dafür, dass es immer noch viel zu lernen gibt in dieser Materie………..

Taubenzucht-Taubenflug-Taubenhaltung.
Ich habe von ihm meine Adanazucht mit vielen Geheimnissen übernommen, aber ich werde hier natürlich nicht mehr erzählen........... haha


1995 kam ich zur Hühnerzucht, aus einem logischen Grund, da die Taubensaison vorbei war, brauchte ich was um im Kleintierzucht-verein etwas auszustellen.

Als ich bei einem arabischen Freund einen riesen großen geierartigen Nackt-hals-Kämpfer sah, war meine Interesse sofort geweckt. Mein Vater erfüllte mir damals wie schon so oft, diesen Wunsch, Shamos zu züchten.

Die beste Adresse in unserem Umkreis war damals Eugen Leibold (leider schon verstorben) dessen Sohn Jürgen und Werner Kaiser die Vorreiter und bekanntesten Züchter, züchten diese japanische Kampf-Huhn-Rasse. Ich lernte sehr schnell die Materie und Geschichte zu begreifen. Somit hatte ich recht schnell Erfolg auf Ausstellungen.    

Durch die osmanische Geschichte und meiner türkischen Wurzeln, befasste ich mich richtig mit der Geschichte der Kampf-Huhn-Zucht.
Mittlerweile gibt es sehr viele verschieden Rassen in Europa. Vor allem in Deutschland sind Tiere aus aller Welt vertreten: z.B. aus Thailand, Vietnam, Russland, Belgien, Frankreich, Türkei, Mexico, Peru und viele mehr...


Es sind mittlerweile viele Rassen vertreten, Rassenamen wie Hint, Azil, Taiwan, Ko-Shamo, Maleien, Brasilianer, Nackthals-Kämpfer, Lari, Ga-dong, Piceros....und viele mehr


Das schönste Hobby aber, sind die Tauben!!!!


Vor allem dass man sehr gute Tauben züchtet. Damit hat man seine eigene Freude und auch als Belohnung für die harte Beschäftigung und für die viele Arbeit.


Wie wir darüber schon diskutierten, schätz ich wirklich dass die Tiere oft nichts dafür können, wenn keine gute Leistung gebracht wird, sondern eher der Halter die gröbsten Fehler begeht.

Sei es bei der Aufzucht oder später im Training.


Mein persönliches Fazit: Man lernt in diesem Sport niemals aus, aber……… man soll auch niemals die gleichen Fehler zweimal begehen ;-)


April 2011

Güntac Demirel