Flugtauben in der Türkei

Marmarameer Marmarameer

Im Sommer 1993 hatte ich die Möglichkeit mit Süleyman Gürcan Akbulut und Uwe Seeger zwei Wochen die Türkei zu besuchen.

 

Um überhaupt Taubenzüchter zu finden und dann noch deren Tauben zu sehen, dazu braucht man unbedingt Freundschaften und allerlei Beziehungen.

Talih Eroglu züchtet selbst seit 40 Jahren Kelebek und Mardin und ist ein langjähriger Freund von S.Akbulut. Talih kennt etliche Züchter in der Umgebung vom Marmarameer. So sind wir zu viert täglich auf Züchter-besuch gegangen.

 

Kelebek werden in verschiedenen, für Flugtauben farblich gut durchgezüchteten Linien gehalten. Am Verbreitetesten in diesem Gebiet sind gelbe und rote, weißlatzig und mit weißen Schwingen ( Akbas).

 

Die beiden Farben gibt es auch mit der Bezeichnung Cakal, wenn sie dazu noch einen weißen Schwanz haben. Seltener sieht man Blaue und Schwarze mit derselben Zeichnung, die ein sehr schönes Bild abgeben.

Sehr häufig werden weiße Kelebek mit Schwarzschwanz (Karakuyruk) und Bärtchenzeichnung gezüchtet.

 

Die Schläge befinden sich meist auf den Flach- dächern, von wo aus es Ideal zum fliegen ist.

Geflogen wird meist am Abend, weil es im Sommer am Nachmittag drückend heiß ist.

Mit langen Stecken werden die Tiere auf dem Dach herumdirigiert. Eines Abends haben in Mustafakemalpasa drei Züchter gleichzeitig ihre Kelebek aufgelassen, so dass im Umkreis von etwa zweihundert Meter ca. 300 Tiere in den Himmel hinauf schwärmten.

 

Talih Eroglu Talih Eroglu

Deutlich konnte man den typischen Schmetterlings- stil, das quirlige Auf- und Ab beobachten.

Als dann die ersten Kelebek wieder landeten, kamen sogleich die höher fliegenden auf die jeweiligen Schläge herabgeschossen. Mehr als auf den Sturz wird auf das horizontale Drehen geachtet.

 

Gute Tiere tun dies blitzschnell und ohne an Höhe zu verlieren. Nicht alle Linien drehen gleich viel horizontal, darum ist es wichtig, dass die Linien nicht untereinander vermischt werden.

 

Sonst kann viel von der Flugvielfalt verloren gehen.

Jeder Typ hat seine eigenen Flugspezialitäten.

Am späten Abend trafen wir uns jeweils in den Züchtercafés, wo meist zwanzig bis fünfzig Leute einkehrten, um zu diskutieren und zu fachsimpeln.   

 

Ohne Talih hätten wir wohl nichts von alledem zu sehen bekommen. Wer auf eigene Faust in die Türkei auf Taubensuche gehen will, wird wohl nur auf den Märkten Tauben zu sehen bekommen. Doch meistens werden da vermischte Tiere angeboten, die einem in der Zucht nie weiterbringen werden.

 

Durch S.Akbulut habe ich gelbe, rote und Bärtchenkelebek bekommen und ich bin sehr zufrieden mit den Linien.

 

Eine kleine Geschichte am Rande.

Für mich als Westeuropäer war Beeindruckend, was für eine Ruhe und Gelassenheit die Türken an den Tag legen. Jedes Mal, wenn wir in ein Haus eingeladen wurden, mussten wir wie so üblich die Schuhe ausziehen.

Da mir meine Schnürschuhe schon am 2.Tag auf die Nerven gingen, haben wir uns entschlossen für mich ein Paar Schlupf- schuhe machen zu lassen.

Also rein ins Schuhgeschäft!

Erst mal hieß es sitzen und Teetrinken. Nach etwa 45 Minuten Geplauder wurden mir endlich meine Füße aus- gemessen. Schuhgröße 48 war hier nicht sehr üblich, sodass ungefähr das gefühlte halbe Dorf in den Schuhladen kam um sich selbst davon zu überzeugen.

 

Nach dem ungefähr fünften Tee, der immer ein kleiner Junge Tablett weise anbot, und 2 Stunden später war alles erledigt (mein Hinterteil fühlte sich schon taub an). Meine Schuhe konnte ich 3 Tage später abholen, handgemacht, Leder, für damals umgerechnet etwa 20 Mark.

Abschließend möchte ich mich bei all denen herzlich bedanken, bei denen wir die Schläge und Tiere sehen durften. Vor allem bei Talih Eroglu, der uns die zwei Wochen begleitete, und auch bei Süleyman Gürcan Akbulut und Uwe Seeger, mit denen ich zwei unvergessliche Wochen erleben durfte.

 

Franco Visonà, 1993